Segelfliegen in Mautendorf

Segelfliegen in den Alpen hat seinen eigenen Reiz.
Deshalb beschloss ich trotz zeitgleichem Fliegerlager in Hayingen eine Woche zum Segelfliegen nach Mauterndorf zu fahren, mit 1110m MSL Österreichs höchstgelegenem Flugplatz. Ein ehemaliger Arbeitskollege war zu der Zeit ebenfalls dort und hatte gefragt, ob ich mitkomme.

Abstellplatz in der Halle neben einer SILA

Am Sonntag machte ich mich früh auf den Weg, damit ich den Tag auch gleich noch ein bisschen zum Fliegen nutzen könnte, falls das Wetter gut ist. Peter, mein Arbeitskollege, war bereits seit einer Woche dort, es gab aber für ihn bis jetzt noch keinen fliegbaren Tag. Deshalb war seine DG 300 noch nicht einmal aufgebaut als ich ankam.
Leider war auch der Sonntag nicht gut genug zum fliegen. Das wird hoffentlich besser in der kommenden Woche.

Wir beschlossen aber, die Flugzeuge noch am Sonntag zusammen zu bauen und in der Halle zu parken, um am nächsten Tag ganz entspannt bei Thermikbeginn starten zu können. Platz in der Halle war zum Glück ausreichend vorhanden. Die Vorhersage von “Alptherm” machte Hoffnung für den nächsten Tag, wenn auch die Basis in nur ca. 2500m MSL liegen sollte und damit nur knapp oberhalb und teilweise sogar unterhalb der Berggipfel. Wir werden sehen, wie das wird.

In der Halle stand ein guter Bekannter direkt neben der LS4, nämlich eine SILA. Meine Gedanken, dort über Nacht einen Flügel abzubauen und nach Hause zu bringen, habe ich trotzdem schnell verworfen (warum dieser Gedanke? Hier kann man es nachlesen). Am Montag war das Wetter wie angekündigt gut. Wir checkten also unsere Flugzeuge und brachten sie zum Start. Peter stand vorne und konnte als erster in die Luft. Er ist aber auch seit vielen Jahren regelmäßig in Mauterndorf zum Segelfliegen und kennt die Gegend sehr gut, deshalb war es mir ganz recht, wenn er mir zeigt, wo ich den Einstieg in die Thermik finde.
Es zeigte sich, dass “Alptherm” mit seiner Vorsage absolut recht hatte, die Basishöhen waren leider nicht höher als angekündigt, der nutzbare Höhenbereich zum Segelfliegen war deshalb nur wenige hundert Meter. Trotzdem konnte ich die Gegend schon mal ganz gut kennenlernen, weil über allen erreichbaren Bergen immer Thermik zu finden war, so dass ich mich problemlos von einem Berg zum nächsten weiter hangeln konnte.
Als ich nach über 5 Stunden Flug am Abend wieder gelandet war, wollte ich gerne die IGC-Datei aus dem FLARM auslesen um mir anschauen zu können, wo ich überall war und welche Strecke ich dabei zurückgelegt hatte. Leider musste ich feststellen, dass die Datei von dem Tag nicht vorhanden war. Und das sollte die nächsten Tage mit einer einzigen Ausnahme auch so bleiben, so dass ich leider keine Dokumentation über meine Flüge habe. Das ist aber auch das einzige, was in der Woche nicht funktioniert hat.

Der schmale Spalt zwischen Wolken und Bergen

Dienstag sollte ein noch besserer Tag werden. Die Basishöhen waren mit über 3000m MSL angekündigt und der Anschluss an den Alpenhauptkamm, wo die Thermik noch besser sein sollte, könnte möglich sein. Wir starteten gegen halb eins Ortszeit und der Einstieg in die Thermik war problemlos. Die angekündigten Basishöhen stimmten ebenfalls, so dass es ein entspannter Flug mit einer maximal erreichten Flughöhe von 3600m MSL wurde. Nur der Absprung zum Alpenhauptkamm wollte mir nicht gelingen, weil ich dabei jedesmal in ein Loch fliegen musste, das mir einen versperrten Rückweg ankündigte und ich keine rechte Lust auf eine Außenlandung in dem mir völlig unbekannten Gebiet hatte.
Also drehte ich jedesmal wieder rechtzeitig um, um die Mauterndorfer Berge in ausreichender Höhe wieder erreichen zu können. Welche Strecken ich trotzdem an diesem Tag zurückgelegt hatte, wird daran deutlich, dass ich am Abend zum Abfliegen der Höhe aus 3400m MSL noch einen langen Flug Richtung Osten und zurück machte, der alleine über 40km einfache Strecke betrug.
Leider ist aus den bereits beschriebenen Problemen mit dem FLARM ja nichts davon dokumentiert. Auch an diesem Tag war ich wieder fast fünf Stunden in der Luft.

Für Mittwoch war in “Alptherm” leider den ganzen Nachmittag Gewitter und Regenschauer vorhergesagt und keine nutzbare Thermik. Auch wenn die Regenschauer weitgehend ausblieben war zumindest die Thermikvorhersage korrekt, also blieb die LS4 an diesem Tag in der Halle.

Donnerstag sollte nach etwas verspätetem Thermikbeginn ein ganz guter Tag werden. Es sah allerdings Mittags ziemlich abgeschirmt aus. Trotzdem machten wir uns fertig zum starten. Peter stand mit seiner DG wieder vor mir, war also zuerst in der Luft. Als gerade das Schleppseil bei mir eingehängt wurde, meldete er sich aber auch schon wieder zur Landung, er hatte keinen nutzbaren Aufwind gefunden. Aber jeder muss seine Erfahrungen selber machen, deshalb startete ich trotzdem, um aber trotz 1100 Höhenmeter Schlepp nach 25 Minuten auch wieder auf dem Boden zu stehen.

Die IGC-Datei des vergeblichen Starversuches

Ein einheimischer Pilot, der einen Gastflug machen sollte, versuchte es deshalb erst gar nicht und vertröstete seinen Gast auf den nächsten Tag. Ausgerechnet diesen Flug habe ich dann aber doch vom FLARM auslesen können, der hätte mich aber eigentlich gar nicht interessiert. Das Höhenprofil ist aber schon interessant, es geht sowohl rauf als auch runter absolut gleichmäßig. Und zumindest der Schlepppilot war begeistert, weil die Schlepps so absolut ruhig und angenehm für ihn waren.
Nach ca. 2 Stunden Warten beschloss ich, dass die Wolken über einem der Berge jetzt doch vielversprechend aussehen. Ich redete mit dem Schlepppiloten, ob er mich dort hinschleppen könne. Er sagte, kein Problem, normalerweise machen sie das aber ganz selten, weil wenn dort Thermik ist, sind die Hausberge und –bärte auch gut. Trotzdem ließ ich mich dort hinschleppen und wie gut die Entscheidung war zeigte der weitere Verlauf des Flugtages.
Ich hatte dort ca. 2m/s Steigen und konnte ganz gut Höhe machen. Die Basis war etwas unterhalb 3000m MSL, das sollte ausreichen um andere Wolken über den Nachbarbergen anzufliegen. Aber egal in welche Richtung ich es an diesem Tag probierte, mehr als mal 20 Minuten die Höhe zu halten war an den anderen Bergen irgendwie nicht drin. So bin ich am Ende immer wieder zu meinem Ausgangspunkt zurückgekommen. Der war zum Glück eine sichere Bank, so dass ich doch einen ganz passablen Flug von mehr als 3,5 Stunden trotz der späten Startzeit noch zusammen brachte.
Peter, der sich nach meinem erfolgreichen Start auch dort hin schleppen ließ, ging es im Übrigen nicht anders. Wir haben aber nicht herausgefunden, was diesen einen Berg von den anderen eigentlich unterscheidet, dass er an dem Tag als einziger gut ging.

Der Freitag sollte laut Alptherm wieder besser werden. Also bauten wir unsere Flugzeuge zum vorhergesagten Thermikbeginn am Start der Piste 07 auf. Mit uns waren zwei einheimische Piloten ebenfalls am Start, ein Fluglehrer mit Flugschüler mit einer Blanik und ein Gastflug mit dem Twin Astir. Aber der Blick an den Himmel war nicht vielversprechend. Über den umliegenden Bergen keine einzige Thermikwolke, nur weiter im Osten die Berge waren voll davon. Aber zu weit weg, um sich dort hin schleppen zu lassen. Also war erst einmal Warten angesagt, der Wind war auch zu schwach um Hangaufwind zu erwarten.
Wir wollten ja auch nicht die Erfahrung vom Tag davor wiederholen. Und solange es nicht einmal die einheimischen Piloten versuchen, brauchen wir als Gäste das bestimmt auch nicht. Nach etwas mehr als einer Stunde begann dann der Wind aufzufrischen. Das war das Zeichen für den Twin Astir Piloten, es zu versuchen und falls er Erfolg hatte, wollten wir uns anschließen. Er ließ sich also hoch schleppen und konnte im Hangaufwind Höhe gewinnen. Dummerweise hatte der Wind inzwischen so zugenommen und kam für die Startbahn 07 aber aus der falschen Richtung, so dass der Start jetzt auf die Piste 25 verlegt werden musste. Drei Flugzeuge die ganze Startbahn (820m) runter ziehen dauert natürlich. Das war jetzt aber richtig ärgerlich, man könnte ja schon längst fliegen.
Der Twin Pilot kam in der Zwischenzeit mit seinem Fluggast zurück, weil es diesem dank der Turbulenzen am Hang nicht mehr wirklich gut ging. Als alle Flugzeuge am anderen Ende der Piste angekommen waren, war die Blanik als nächstes dran. Zum Glück waren die F-Schlepps heute nicht sehr lang, da der Hangaufwind schon relativ weit unten am Hang zu finden war. So musste ich jetzt nicht mehr übermäßig lange warten um dann auf 600m geschleppt zu werden.
Der Hangaufwind war nicht schlecht, aber es wurde schnell klar, warum es der Fluggast nicht allzu lange ausgehalten hat. Da waren schon ordentliche Turbulenzen in der Luft. Leider hat sich zunächst einmal bestätigt, dass es keine Thermik über den Bergen gab, das Steigen endete am Anfang doch relativ knapp über den Bergen. Erst eine gute Stunde später sah ich zwei vielversprechende Wolken etwas weiter hinten an dem Bergkamm, an dem ich mich befand, und machte mich mal auf den Weg dorthin. Da es dort auch Thermik gab, konnte ich dann doch etwas mehr Höhe gewinnen und fand mich nach dem Rückweg ein gutes Stück über dem Bergrücken wieder.
Das sollte doch reichen, um das Tal zum nächsten Bergrücken zu überbrücken, vielleicht geht es dort ja besser. Auf dem Weg dorthin machte ich über der Mitte des Tales allerdings eine neue Erfahrung. Da war ein sehr ruhiges und konstantes Steigen mitten über dem Tal, keine großen Steigwerte am Anfang aber es ging kontinuierlich aufwärts. Es war aber keine Thermikwolke zu sehen. Sollte das etwa eine kleine Welle sein, das wäre ja der Hammer. Ich stieg allmählich immer weiter, hatte inzwischen die 3000m MSL Marke passiert und sah plötzlich weiter im Osten ein Segelflugzeug, das noch einmal ein paar hundert Meter höher war als ich. So hoch könnte es also mindestens gehen.

Unten die Wolken, oben eine Lenti: Eindeutig in der Welle

Ich rief Peter über Funk, wie hoch er denn wäre. Seine Antwort war eindeutig, er war in 3400m MSL und er befand sich in einer kleinen Welle. Aha, er hatte die Welle also auch gefunden und das schon vor mir. Egal, ich war absolut zufrieden, das konnte ja ein sehr gelungener Flug heute werden, wenn das so weiter geht. Und die Welle hielt, was sie versprach. Den Rest des Tages verbrachte ich in der Gegend und hatte immer gutes Steigen, teilweise mit 3m/s und mehr.
Jetzt hatte ich aber ein anderes Problem. Ich war ja ohne Sauerstoff unterwegs. Was lernt man in der Ausbildung, ab welcher Höhe ist es ratsam, Sauerstoff dabei zu haben? Ich erinnere mich an 3000m. Ich horchte immer wieder in mich hinein, ob da irgendwelche Anzeichen von Sauerstoffmangel zu erkennen sind. Das Dumme ist, man merkt das ja nicht wirklich. Aber ich war ja in den letzten Tagen auch schon mehrfach deutlich über 3000m gewesen, also hatte mein Körper sich ja schon etwas akklimatisiert. Und ich weiß außerdem, dass meine Sauerstoffversorgung durch jahrelanges Rennradtraining in den Alpen und entsprechen viele rote Blutkörperchen sehr gut ist. Das sollte helfen. Also habe ich weiter versucht, so gut wie möglich in mich hinein zu horchen. Sind da irgendwelche Konzentrationsmängel? Muss ich vielleicht gähnen? Nein, es ging mir gut. Inzwischen war ich in der Welle auf 4000m MSL gestiegen. Das sollte jetzt aber mal genug sein.

Der Höhenmesser zeigt 4000m MSL; nicht die größte Höhe an diesm Tag

Ein bisschen Airliner-Feeling kam auch schon auf, weil ich die Wolken über den Bergen inzwischen von oben betrachten konnte. Es ist aber ganz klar nicht zur Nachahmung empfohlen so einen Flug ohne Sauerstoff zu machen. Mit weniger Training kann das auch schnell schief gehen, also lasst das bitte bleiben.
Ich habe es aber natürlich nicht bleiben lassen, dazu war es einfach zu großartig. Mittlerweile war es längst nach 18:00 Ortszeit, aber die Welle trägt immer noch. Gegen viertel vor sieben hatte ich immer noch 3m/s Steigen. inzwischen hatte ich auch meine Vorsätze über Bord geworfen, nicht über 4000m zu Steigen und hatte mein Limit auf 4500m angehoben. Dabei beließ ich es aber dann wirklich.
Im Funk hörte ich, dass sich Peter in Mauterndorf zur Landung meldet. Sonst war schon lange kein Flugbetrieb mehr dort, die warten dann jetzt also nur noch auf mich. Dann sollte ich wohl mal langsam auch runter. Also machte ich mich auf den Weg, meine Höhe abzufliegen. Solange ich in der Welle war, ging es dabei immer mal wieder rauf, aber im Abwind der Welle dafür auch mit mehr als 5 m/s nach unten. Es dauerte also trotz der großen Höhe nicht allzu lange, bis ich mich auch zur Landung meldete. So stieg ich um 19:17 Uhr Ortszeit nach (trotz sehr spätem Start) wieder knapp 5 Stunden Flugzeit mit einem breiten Grinsen im Gesicht aus der LS4. Jetzt aber schnell das Flugzeug in die Halle räumen, damit der Betriebsleiter von Mauterndorf endlich auch Feierabend machen kann.
Für den nächsten Tag ist Regen vorher gesagt. Das kann mir aber nach dem Flug irgendwie egal sein, der ist sowieso nicht mehr zu toppen.

Edgar Meyer

Edgar ist durch seine Arbeit täglich mit Flugzeugen in Kontakt und kann auch in seiner Freizeit die Finger nicht von Fliegern lassen. Er ist seit 2014 der 1. Vorstand des LSV Pfaffenhofen.

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